Pressemitteilung AbL: Agrarindustriellen Strukturwandel auch in Diepholz stoppen! AbL fordert Politik für Bauernhöfe statt Agrarfabriken und Kurswechsel beim Landvolk

Pressemitteilung

Agrarindustriellen Strukturwandel auch in Diepholz stoppen!

AbL fordert Politik für Bauernhöfe statt Agrarfabriken und Kurswechsel beim Landvolk

 

Auf die anhaltende Verdrängung von Bauernhöfen durch Agrarfabriken auch im Landkreis Diepholz weist die von konventionellen und Bio-Bauern getragene Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hin. Demnach ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe allein in den letzten 4 Jahren um weitere 220 auf 2.331 gesunken. Die Zahl der Milchviehbetriebe sank dabei um 50 auf 430 und die Zahl der Schweinehalter sogar um 326 auf 714.

Die Zahl der Tiere vor allem in agrarindustriellen Geflügelställen nahm weiter zu – auf geschätzt derzeit etwa 4 Millionen Masthühner, 250.000 Mastputen, 50.000 Mastenten und 200.000 Legehennen. Darunter befanden sich mit zunehmender Tendenz auch Großställe von Agrarindustriellen mit Pseudo-Bio- und Pseudo-Freiland-Haltung. Große Schweinehalter sind nach AbL-Informationen die gr.Austing-Gruppe aus Damme mit ca. 9.000 Mastschweineplätzen, die Thiermann-Gruppe aus Kirchdorf mit ca. 8.000 Mastschweineplätzen sowie die Drentweder Porc GmbH in Dieckhaus bei Barnstorf mit 2.800 Sauenplätzen, wobei der Investor EZG Bösel mehrheitlich im Eigentum der F+W-Holding der Eigner des Futtermittelkonzerns Fleming & Wendeln war. Letztere dürften laut AbL über indirekte Beteiligungen an Firmen wie Drentweder Porc, Uniporc und Royal Porx an Ställen mit schätzungsweise 10.000 Sauen beteiligt sein.

Gleichzeitig stieg der Anbau von Silomais von 20.000 Hektar (19% der Anbaufläche) im Jahre 2008 auf 33.500 Hektar (32% der Anbaufläche). Ein großer Teil davon ging in Biogasanlagen, die zunehmend unter der Kontrolle außerlandwirtschaftlicher Investoren standen und von denen jüngst ein erheblicher Teil in Konkurs ging.

Die Entwicklung in den Bereichen agrarindustrieller Tierhaltung und Biogasproduktion sowie der zunehmende Expansionsdruck aus den Nachbarkreisen sind laut AbL der Hauptgrund für die explodierenden Pacht- und Bodenpreise, mit denen normale landwirtschaftliche Betriebe nicht mithalten könnten.

Umso dringlicher sei eine Strategie zur Eindämmung von Großställen durch Baurechts-, Immissions- und Tierschutzvorgaben, eine konsequentere Kontrolle und eine restriktivere Bau-Genehmigungspraxis durch die Behörden. Notwendig sei auch eine Überprüfung, welche Biogasanlagen die ursprüngliche landwirtschaftliche Privilegierung längst verlassen hätten, weil sie in die Hand von außerlandwirtschaftlichen Investoren geraten seien oder die ursprünglichen Vorgaben nicht mehr einhielten. Im Grundstücksverkehrsgesetz sei eine Obergrenze für Pacht- und Kaufpreise notwendig. Die AbL und viele andere gesellschaftliche Initiativen unterstützten entsprechende Schritte der neuen rotgrünen Landesregierung und die gezielte Förderung bäuerlicher Strukturen.

Die AbL fordert die Landwirte auf, die aktuellen Vorgänge im Kreisverband des „Landvolk“-Landesbauernverbands dafür zu nutzen, endlich eine stärkere Ausrichtung dieses Verbands auf die Interessen von mittelständisch-bäuerlichen Betrieben statt von Agrarfabriken durchzusetzen und der Verfilzung führender Bauernverbands-Funktionäre mit Ernährungsindustrie, Landhandel und Energieunternehmen einen Riegel vorzuschieben.

3.295 Zeichen   –   15.6.2013