Bundestierärztekammer (BTK) / Deutsches Tierärzeblatt (DTBl): Werden unbequeme Positionen unterdrückt?

Eine Gruppe von über 60 Tierärzten, die sich im Tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirtschaft zusammengefunden hat und die eine dezidierte Meinung zu den Problemen der industriellen Agrarwirtschaft und den daraus entstehenden negativen Folgen vertritt, hat diese Informationen in Form eines Positionspapiers formuliert.

Das Tierärztliche Forum für verantwortbare Landwirtschaft, ist der Meinung, dass zukünftiges tierärztliches Wirken auf den Prüfstand gehört und das Forum wünscht sich aus all den angeführten Gründen eine breite fachliche Auseinandersetzung in der Deutschen Tierärzteschaft.

Um die Meinung des Forums auch anderen Kollegen zur Kenntnis zu geben, und damit eine forcierte, kontroverse Diskussion erst  zu ermöglichen, hat das Forum im Dezember des letzten Jahres sein Positionspapier an die Redaktion des Deutschen Tierärzteblattes (DTBl) mit der Bitte um Veröffentlichung gesandt.

Nachdem das Positionspapier des Forums weder im Januar- noch im Februar-Heft erschienen war, hat das Forum erst auf Nachfrage am 14. Februar 2013 von der Bundestierärztkammer (BTK) eine Nachricht erhalten.

Dabei teilte die BTK schriftlich mit, dass von einer Veröffentlichung abgesehen werden soll, um keinen Präzedenzfall zu schaffen. Darüber hinaus wäre das Forum weder Mitglieds- noch Beobachtungsorganisation der Bundestierärztkammer (BTK) und allein deswegen wäre eine Veröffentlichung im DTBl als Mitteilungsorgan der Bundestierärztekammer nicht möglich.

Außerdem spräche  gegen eine Veröffentlichung, dass vom Forum nur Positionen beschrieben seien aber keine Lösungen angeboten würden. In der Natur der Sache liegt aber, dass in einem Positionspapier keine Lösungen vorgegeben werden, sondern Sachverhalte einer kritischen Reflexion  unterzogen werden mit einer Handlungsaufforderung als Fazit.

In einem weiteren Schritt wendet sich das Forum nun an die Länderkammern, die Institutionen des öffentlichen Rechts darstellen und deren zahlende Mitglieder die Forumsmitglieder alle sind, mit der Bitte um Überprüfung, ob eine Möglichkeit gesehen wird, das Positionspapier des Forums auf diesem Wege zu veröffentlichen.

Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in den letzten Jahren und die in immer kürzeren Abständen auftretenden Skandale bei der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von tierischen Lebensmitteln erfordert eine breit angelegte Diskussion, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in unserem Berufsstand. Die dramatischen Entwicklungen im Bereich des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung  und  die sich daraus ergebenden potentiellen Gefahren für die Gesundheit der Menschen, bestätigen uns in dieser Meinung.

Neben den angesprochenen, in erster Linie für den Menschen und seine Gesundheit relevanten Fehlentwicklungen, kommt es durch die Haltungsbedingungen der sogenannten Nutztiere in der industriellen Landwirtschaft zu millionenfachem Tierleid. An dieser Situation ist auch der Tierarzt direkt oder indirekt beteiligt, weil er durch gute fachliche Arbeit dieses System stützt. Viele Kollegen müssen hier den Spagat leisten zwischen dem, was die Industrie von ihnen erwartet und dem eigenen moralischen Anspruch.

Diesem Dilemma könne man nach Meinung des Forums nur entkommen, wenn Tierärzte als Berufsstand eine enttabuisierte  Diskussion und Auseinandersetzung über diese Themen führen  und das Berufsethos überdenken, welches  im Übrigen neben Tierschutz auch den Verbraucherschutz beinhaltet. Das Forum mahnt an, dass man dringend formulierte Grundsätze tierärztlichen Handels benötige, die für alle Tierärzte verbindlich sind, auf die sich der Tierarzt in schwierigen Situationen aber auch berufen kann.

Allerdings scheint der  Berufsstand  in ethischen Fragen in einem Tiefschlaf zu verharren.

Das Forum hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, behält sich aber vor, auch andere Medien über den Sachverhalt zu informieren.

Das Verhalten der BTK und seines Organs DTBl ist unverständlich, undemokratisch und empörend aber nicht überraschend. Denn es dokumentiert die engen Verflechtungen von Teilen der BTK mit Teilen der Agrarindustrie.

Nur: Meinungen lassen sich auf Dauer nicht unterdrücken. Und gesellschaftliche Diskussionen schon gar nicht.