NABU und BUND klagen gegen Agrarfabriken / Teilerfolg in Mecklenburg-Vorpommern

Pressemitteilung des NABU vom 23.11.2012:

Keine industrielle Tierhaltung im EU-Vogelschutzgebiet „Rheiderland“  NABU klagt gegen die geplante industrielle Hähnchenmastanlage in Ditzum

Ditzum/Hannover, d. 23.11.2012:

Der NABU hat Klage beim Verwaltungsgericht Oldenburg gegen die Errichtung zweier Hähnchen-Massentierställe von je 40.000 Tieren im EU-Vogelschutzgebiet „Rheiderland“ erhoben. Der Landkreis Leer hat den vom NABU eingebrachten Widerspruch gegen die erteilte Baugenehmigung zurückgewiesen, dass machte den weiteren Schritt der Klage notwendig.

Das EU-Vogelschutzgebiet „Rheiderland“ ist ein für wild lebende Vogelarten einmaliger geschützter Raum in der EU. Es gibt kein vergleichbares Vorkommen in Bezug auf die Rastvögelpopulation und die Artenvielfalt dieses geschützten Bereiches in ganz Europa! 

80. 000 Hähnchen sind hier falsch am Platz!

Durch den Bau einer solchen Anlage würde das EU-Vogelschutzgebiet „Rheiderland“, dass von europaweiter Bedeutung für den Wildvogelschutz ist, in seinen grundsätzlichen Schutzanforderungen bleibend geschädigt.

Neben dem direkten Verlust an Lebensraum durch Überbauen ist ein Eintrag von Stickstoff und Keimen in die Umgebung zu befürchten. Diese Immissionen wirken sich schädigend auf das Umfeld dieser Anlage aus. Durch den erhöhten Nährstoffeintrag ändert sich die Vegetation der umliegenden Flächen in ihrem Artenspektrum, so dass sich das zur erfolgreichen Jungenaufzucht für Wiesenvögel erforderliche artenreiche Grünland zu einem intensiv gedüngtem „Grasacker“ verwandelt. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Stickstoffbelastung der gesamten Region in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist und somit der zulässige Grenzwert „Critical Load“, wie ihn die EU vorgibt, bereits ohne den Bau weiterer Ställe ausgereizt ist.

Mögliche Übertragungen von Krankheitserregern aus der Abluft der Massentierhaltungen auf die frei lebenden Rast- und Zugvögel können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, sondern gelten nach neuesten Studien als wahrscheinlich. Dies stellt insbesondere in Bezug auf die Verbreitung der Vogelgrippe und von MRSA – und ESBL -Erregern ein besonderes Gefahrenpotential dar.  Eine Massenhaltung von Hähnchen sollte schon allein aus diesem Grund in einem Gebiet mit einer so hohen Bedeutung für den Vogelschutz und einem so hohen Vorkommen an nordischen Rastvögeln aus Vorsorgegründen ausgeschlossen werden.

Der NABU kritisiert, dass keine Verträglichkeitsprüfung für das Vogelschutzgebiet nach den Anforderungen der gültigen europäischen Richtlinie durchgeführt worden ist und die vorgelegten Bestandsdaten veraltet und lückenhaft sind. Es wird anscheinend vollständig ausgeblendet, dass der Schutzzweck dieses Gebietes inzwischen auch durch eine Landschaftsschutz-Verordnung rechtlich bindend vorgegeben ist. Anstatt bereits bestehende schädigende Einflüsse auf das Gebiet zu beheben, wie dies die gesetzliche Verantwortung des Landkreises wäre, wird der selbst verschuldete schlechte Zustand als Vorwand für die Berechtigung einer vollständigen Zerstörung des Gebietes vorgeschoben. Dies kann der NABU nicht akzeptieren!

Der NABU wendet sich massiv gegen die rasante Zunahme industrieller Hähnchen-Mastanlagen, die weder den Anforderungen einer artgerechten Tierhaltung entsprechen noch ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensqualität der Anwohner rechtfertigen.

Da das Klageverfahren mit erheblichen Kosten verbunden ist, bitten NABU und BI alle Mitstreiter gegen Massentierhaltungsanlagen im Rheiderland und Unterstützer eines artenreichen schönen Rheiderlandes uns finanziell zu unterstützen. „Denken Sie daran, bald ist Weihnachten und wir alle wünschen uns bestimmt auch in diesem Sinne einen ethisch einwandfreien Umgang mit der Welt, in der wir auch im Jahr 2013 wohnen möchten und die wir bisher als Geschenk zur Nutzung überlassen bekommen haben. Wir sollten sie so erhalten, dass sie keinen Schaden nimmt und damit sie für die nächsten Generationen genauso lebenswert ist, erbitten wir Spenden unter dem Stichwort „Ditzum“ auf das Konto Nr. 150016855, BLZ 28550000 der Kreissparkasse LeerWittmund. Das Konto wird vom NABU Kreisverband Leer geführt, die Gelder werden speziell für dieses Verfahren verwendet. Spendenbescheinigungen werden bei Angabe der Postadresse gerne ausgestellt“, heißt es in dem Aufruf.

 

Als Ansprechpartner für weitere Auskünfte stehen zur Verfügung:

NABU Kreisgruppe Leer:                                                                                                    Herr Ihno Völker, Tel.: 0491 9279510

BI gegen Hähnchenmastställe im Rheiderland: Babsy Liczywek, Tel.: 04902 989461 oder 01520 8975372

Presserechtlich verantwortlich: Rüdiger Wohlers, NABU Oldenburg, Schlosswall 15, 26122 Oldenburg

 

Der NABU, Naturschutzbund Deutschland ist mit über 500.000 Mitgliedern und Förderern in Deutschland (über 70.000 in Niedersachsen, davon über 10.000 in der Region Hannover) der größte Naturschutzbund in Deutschland.

Naturschutz    Artenschutz    Biotopschutz   Umweltschutz 

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Aktuelles Beispiel für einen ersten erfolgreichen Schritt ist der vorläufige vom Ober-waltungsgericht Greifswald per Urteil verordnete vorläufige Baustopp der bereits in Betrieb gegangenen Hähnchenmastanlage in Kuppentin bei Plau am See (Mecklenburg-Vorpommern).

Fast zeitgleich mit dem positiven Urteil aus Greifswald hat der BUND Mecklenburg-Vorpommern gegen geplante Hühnermastfabrik in Wattmanshagen (bei Güstrow) Klage vor dem Verwaltungsgericht Schwerin erhoben.

Das LANDESNETZWERK NIEDERSACHSEN Bauernhöfe statt Agrarfabriken begrüßt ganz außerordentlich, dass sich der NABU und BUND zu diesen Klagen entschlossen haben und hofft auf einen positiven Ausgang. Das Urteil des Obergerichts aus Greifswald hat Signalwirkung und ist ermutigend, zumal es zeigt, dass beharrliches Eintreten gegen die Agrarindustrie durchaus Erfolg zeigt.

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